Ausstellungen

Nächste Ausstellung:

A. Trespi, J. Simon, H. Seyboth, S. Effinger
“Im Wald – Gruppenausstellung”

Vernissage /  Sa 22.03.2014, 18 Uhr
Ausstellung /  So 23.03.2014 – So 20.04.2014
donnerstags bis sonntags von 14.00 – 19.00 Uhr
Galerie im Ganserhaus / Schmidzeile 8 / Wasserburg am Inn

Presseartikel OBV: “Romantische Seelenlandschaften”

Pressetext:

Im Wald
Mehr als möglicherweise im südeuropäischen mediterranen Kontext ist der Begriff Wald in Mittel- und Nordeuropa und insbesondere in Deutschland mit weit reichenden Konnotationen behaftet. Diese betreffen die Konfrontation mit der unzivilisierten Natur, die Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben, aber auch den Topos, beziehungsweise den Propagandabegriff nationaler Identität. Wald steht für die ungebändigte, wilde Natur, er ist der Gegenentwurf zum rationalen Weltbild und er ist Sehnsuchtsort und Projektionsfläche für den Wunsch nach einer heilen, harmonischen, ursprünglichen Welt. So ist es kein Zufall, dass die Epoche der Romantik, die ja eine genuin deutsche „Erfindung“ ist, gerade in einer Zeit nationaler Selbstfindung, den Wald in Kunst, Musik und Literatur als komplexes Bild einer melancholischen Seelenlandschaft einführt. Im romantischen Weltbild spielt der Wald eine ebenso zentrale Rolle wie die so genannte Italien- Sehnsucht der deutschen Künstler.

Um auf den Ursprung der deutschen Wald-Liebe zu verweisen, sei eine Stelle des romantischen Dichters Heinrich Heine zitiert: Der Nationalglaube in Europa, im Norden noch viel mehr als im Süden, war pantheistisch, seine Mysterien und Symbole bezogen sich auf einen Naturdienst, in jedem Elemente verehrte man wunderbare Wesen, in jedem Baume atmete eine Gottheit, die ganze Erscheinungswelt war durchgöttert; das Christentum verkehrte diese Ansicht, und an die Stelle einer durchgötterten Natur trat eine durchteufelte. *

Das Zitat beleuchtet schlaglichtartig, warum der Begriff Wald jene eminente Strahlkraft erlangen konnte, die er bis in die gegenwärtige Zeit nicht verloren hat: Weil er symbolisch steht für die sich ständig vergrößernde Kluft zwischen der rationalen, dem Menschen sich selbst entfremdende Zivilisation einerseits und der Sehnsucht nach dem mit sich selbst und der Natur in Eins sein. Für Heine war der eigentliche Sündenfall das Christentum mit seiner Abschaffung der pantheistis chen Natur- und Götterwelt und der Aufspaltung der menschlichen Seele in eine rationale, kontrollierte Hälfte und in eine naturhafte, triebhafte, emotionale, zutiefst gefühlvolle unterdrückte andere Hälfte.

In den vorgestellten Werken wird der ganze Raum zwischen den Polen Wald als Sehnsuchtslandschaft und Wald als Horrorszenario beleuchtet.

* Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland, aus Revue Des Deux Mondes, 1834

Hilde Seyboth
Hilde Seyboth´s Arbeiten umkreisen die Themen Zeit-Raum-Körper, unablässige Positionsbestimmungen des eigenen Ichs in der Welt, ein Erforschen der inneren Zusammenhänge und Abläufe, zum Ausdruck gebracht in Skulpturen, Objekten, Fotografien, Videoarbeiten und Installationen. Ihre Waldstücke sind mit der Kettensäge aus halbierten Baumstämmen herausgeschnitten und farbig gefaßt. Durch ihre dunkle Farbe wirken sie geheimnisvoll bis bedrohlich.

Sabine Effinger
Der Wald bietet eine Folie für Projektionen, er steht für das Dunkle, die Angst, die Gewalt, die Verführung, die Lust. All das taucht in den Subtexten von Märchen auf. In ihrer Wandarbeit greift Sabine Effinger auf diese Zuschreibungen zurück und setzt auf einer von Camouflagemustern inspirierten Oberfläche Märchenfiguren in kleinen Zeichenanimationen neu in Szene. Eine Fortsetzung erfährt die Thematik in zusätzlich gezeigten Zeichnungen. Spielerisch und leicht wirkt, was am Ende doch ins Dunkel des Waldes führt.

Johannes Simon
Eine persönliche Erfahrung – Mit der in Perugia gezeigten Fotoarbeit rekurriert Johannes Simon auf die eigene Entwicklungsgeschichte, auf eigene Erfahrungen der Kindheit. Es handelt sich um eine 30-teilige Fotoserie, Selbstporträts, die in Art eines Rituals täglich im Wald entstanden sind. Die tägliche Foto-Arbeit ist jeweils zweiteilig. Sie umfasst ein menschenleere Abbildung einer bestimmten Waldstelle – und am selben Ort eine Abbildung des Künstlers an diesem Ort. Die Fotoserie dokumentiert die Fahrt und Reisewege des Künstlers und Fotografen, sie verdeutlicht seine Entfremdung, sowohl in Bezug zur Natur als auch zu sich selbst und sie symbolisiert die Sehnsucht nach der eigenen Kindheit, den Verlust, der Existenz letztlich definiert und ausmacht.

Alex Trespi
Alex Trespi nähert sich dem Thema auf zwei Weisen. Bei der unbetitelten Videoarbeit geht es um den Zustand des der Zeit und dem Raum Entrückten, was für ihn den Wald ausmacht. Akzentuiert durch Zeitlupe sieht man ein Mädchen beim Schaukeln im Wald, abwechselnd von vorn und von hinten; eine Bewegung, die doch auch Stillstand ist. Die Bilder sind recht laut unterlegt mit O-Ton und zusätzlichen Waldgeräuschen.

Die zweite Arbeit, ebenfalls ohne Titel, präsentiert einen Hochstand, der zu Fall gekommen ist. Gefallen und doch intakt verweist er auf die Jäger-Beute Beziehung, die gebrochen auch im Motiv des Tierkopfes aufscheint.

 

 

 

 

 

 

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